ESADatenkompass

Studie & Methodik

Wie entsteht aus Antworten eine Bevölkerungsstatistik?

Die Aussagekraft des Epidemiologischen Suchtsurveys hängt nicht allein von der Zahl der Interviews ab. Auswahl, Durchführung, Gewichtung und Interpretation gehören zusammen.

Offene Notizbücher, Dokumente und Stifte als Symbol für Befragungsmethoden

Warum der Survey wiederholt wird

Der ESA untersucht den Konsum psychoaktiver Substanzen in der deutschen Allgemeinbevölkerung. Wiederholte Befragungen liefern Momentaufnahmen, die unter geeigneten Voraussetzungen auch Entwicklungen über die Zeit erkennen lassen. Sie helfen Forschung, Prävention und Gesundheitspolitik, Größenordnungen und Veränderungen besser zu verstehen.

Die Erhebung begann 1980. Frühere Erhebungen erfassten andere Altersgruppen als spätere Wellen; seit 2006 bis 2021 umfassten sie regelmäßig Menschen von 18 bis 64 Jahren. Im Jahr 2024 wurde die Erhebung auf das Alter von 18 bis 85 Jahren erweitert.

Diese Erweiterung ist sinnvoll, verlangt aber besondere Aufmerksamkeit beim Vergleich älterer und neuerer Ergebnisse. Ein Wert für 18–85-Jährige darf nicht unkommentiert neben einem älteren Wert für 18–64-Jährige stehen.

Offizielle Übersicht der ESA-Erhebungen

Analysegruppe 20247.534Teilnehmende zwischen 18 und 64 Jahren
Feldrücklauf 202423 %Angabe der offiziellen Methodenübersicht

Der offizielle ESA-Überblick nennt für 2024 eine Stichprobe im Altersrahmen 18–85 Jahre; die hier zitierte Hauptpublikation analysiert die 18–64-Jährigen. Diese beiden Angaben beschreiben unterschiedliche Ausschnitte derselben Erhebung.

Erhebungswellen und ihre Vergleichbarkeit

Auch die Zahl der ausgewerteten Personen unterscheidet sich von Welle zu Welle. Die folgende Tabelle gibt die im offiziellen Studienüberblick genannten Fallzahlen für die 18–64-Jährigen wieder.

Ausgewählte ESA-Wellen: 18–64 Jahre
JahrFallzahlRücklaufErhebungsart
20189.26742 %Schriftlich, Telefon, Internet
20219.04635 %Schriftlich, Telefon, Internet
20247.53423 %Schriftlich, Telefon, Internet

Die Fallzahl allein ist kein Gütesiegel. Für die Interpretation sind außerdem Auswahlwahrscheinlichkeit, mögliche Verzerrungen durch Nichtteilnahme, Gewichtung und Messverfahren wichtig.

ESA: Übersicht und Erhebungsdesign

Vier Schritte vom Fragebogen zur Auswertung

01

Personen auswählen

Die Stichprobe wird aus Melderegistern gezogen. Ziel ist, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen nicht nur über freiwillige Online-Teilnahme zu erreichen.

02

Antworten erheben

Seit 2009 verbindet der ESA schriftliche, telefonische und webbasierte Befragungen. Ein Kern an Fragen bleibt über Wellen hinweg erhalten, andere Module ändern sich.

03

Daten prüfen und gewichten

In der Auswertung werden Antworten auf Plausibilität geprüft; Gewichtungen sollen erkennbare Abweichungen zwischen Stichprobe und Zielpopulation berücksichtigen.

04

Ergebnisse veröffentlichen

Fachartikel, Kurzberichte und Tabellen beschreiben Altersgruppen, Beobachtungszeiträume, Messunsicherheit und methodische Einschränkungen.

ESA: Erhebungsinstrumente · ESA: Methodenberichte

Was die Daten leisten – und was nicht

Die Befragung bildet berichtete Konsummuster ab. Wie bei anderen Surveys kann es Erinnerungslücken und sozial erwünschte Antworten geben. Manche Personen werden trotz sorgfältiger Stichprobenziehung schlechter erreicht als andere.

Ein Querschnitt misst Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt; er beobachtet nicht automatisch dieselben Personen über Jahre hinweg. Deshalb bedeutet eine Veränderung zwischen Erhebungswellen nicht, dass einzelne Teilnehmende ihr Verhalten geändert haben.

Wird in einem Ergebnis „kein signifikanter Unterschied“ berichtet, ist eine beobachtete Zahlendifferenz nicht hinreichend belegt, um von einem eindeutigen Trend zu sprechen. Aussagen über Ursache und Wirkung benötigen andere Studiendesigns oder zusätzliche Evidenz.

Kleine Begriffskunde

Prävalenz
Anteil einer Gruppe, der ein Verhalten oder Merkmal innerhalb eines festgelegten Zeitraums aufweist.
30-Tages-Prävalenz
Anteil der Befragten, die ein Verhalten für die vergangenen 30 Tage angeben.
12-Monats-Prävalenz
Anteil mit entsprechender Angabe für die letzten zwölf Monate.
Konfidenzintervall
Ein statistischer Unsicherheitsbereich um einen Schätzwert, abhängig von Modell und Stichprobe.
Gewichtung
Verfahren, mit denen bestimmte Unterschiede zwischen Stichprobe und Zielbevölkerung in Schätzungen berücksichtigt werden.
Nächster Schritt

Was sagen die veröffentlichten Ergebnisse 2024?

Ergebnisse einordnen →